Bereits über 100 Jahre perfektioniert die Familie Stillhart die Kunst, Obst in Flaschen zu füllen. Den Grundstein legte Jakob Stillhart (-Artho) mit dem Erwerb einer fahrbaren Brennerei im Jahre 1915. Eine Häfeli Doppelbrand, Baujahr 1904, der Küferei und Brennerei Blöchlinger in Bazenheid. Vor zwanzig Jahren wurde diese restauriert und kann an Ausstellungen oder beim Schaubrennen noch immer bewundert werden.

Die Geschäftstätigkeit der Familie Stillhart erstreckte sich stets über viele Bereiche. Obwohl die Faszination für die Brennerei einen festen Platz im Leben von Jakob Stillhart hatte, blieb er seinem erlernten Handwerk, der Küferei, weiterhin treu. Seine Frau Rosa, nicht weniger fleissig, betrieb das 1926 erworbene Gasthaus Rössli. Dem Gasthaus, erbaut nach dem grossen Dorfbrand von 1817, zugehörig ist ein Landwirtschaftsbetrieb, welcher fortan mit einigen Kühen betrieben wurde, ein Stickereilokal und nebst einer Mosterei auch eine kleine Brennerei.

Alfons Stillhart (-Müller) übernimmt in der 2. Generation den elterlichen Betrieb im Jahr 1950. Der gelernte Koch hat sich in allen Bereichen des Betriebs seine Sporen verdient und verfolgt mit seiner Frau Anna grosse Pläne. So wird bereits ein Jahr später die Küferei in ein Nachbarhaus umgesiedelt und eine neue Mostpresse angeschafft. Eine Bucher Zwillings-Packpresse mit 80x80cm Pressrosten. Der Stellenwert der Brennerei gewann fortan stetig an Bedeutung. 1975 erwarb Alfons Stillhart eine Brennerei mit 60lt und 120lt Wasserbad-Kipphafen.

Nach 35 Jahren selbständiger Tätigkeit übergab Alfons Stillhart 1986 den breit abgestützten Traditionsbetrieb an seine Söhne Alfons und Franz weiter. Während Alfons Stillhart das zwischenzeitlich abermals neu erbaute Gasthaus Rössli weiterführt, übernahmen Franz und Astrid Stillhart die Geschäftszweige Mosterei, Brennerei, Getränkehandel und das Transportwesen.

Auch die 3. Generation hatte die Geschäftstüchtigkeit im Blut. Franz Stillhart (-Gmür) erwarb 1987 seinen ersten Brennhafen mit Wasserbad, welcher mit einem Dephlegmator die Trennung verfeinerte. Noch heute werden in diesem Holstein-Brennhafen Absinth- und Kräuterbrände hergestellt.

In den folgenden Jahren nahm die Nachfrage nach gebrannten Wassern stetig zu. Nur drei Jahre später, 1989, konnte Franz Stillhart seinen Betrieb um drei Spezialitätenbrennereien erweitern. Die Lohnbrennerei, in der Früchte im Auftrag von Kunden gebrannt werden, wuchs stetig, sodass die Brennerei heute rund 2500 Brennkunden verzeichnet.

Über die Jahre wuchs nicht nur der Betrieb von Franz und Astrid Stillhart, sondern auch die Familie. Mittlerweile 4 Erwachsene Kinder, 3 Töchter und 1 Sohn, vervollständigen die stolze Familie. Das Wichtigste, die Weiterführung der Familientradition, war somit gesichert. Um auch alle anderen Bereiche abzudecken gründeten Franz und Astrid Stillhart 2005 die Stillhart Getränke AG. In selbiger sind der Getränkehandel und die Brennerei integriert. Der Fokus legte sich mit der Zeit vermehrt auf diese zwei Geschäftsbereiche, Franz und Astrid Stillhart beschlossen daher, die Tätigkeiten der Mosterei und des Transportwesens aufzugeben.

Seit Anfang 2019 arbeiten zwei der vier Kinder von Franz und Astrid Stillhart im Betrieb mit. Somit wird die 4. Generation, die Geschwister Bettina und Beda Stillhart, den Betrieb in einigen Jahren übernehmen.

Trotz aller Modernisierung ging das Traditionelle in der alten Toggenburger Lohn- und Gewerbebrennerei nie verloren. Der Geist der über 100-jährigen Brenngeschichte der Familie Stillhart liegt über dampfenden Kupferkesseln und dem charakteristischen Duft klarer Spirituosen.